spirituelle Praxis Wegbegleitung Dialogschulung Veranstaltungen
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Manfred de Vries

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Dialogschulung


nach Manfred de Vries

Sich selbst & Einander begreifen und respektieren lernen.

Nur wenn wir nicht in allem übereinstimmen,
und geteilter Ansicht bleiben dürfen,
können unsere Herzen sprechen lernen.







Was Dialog nicht ist

Dialog ist nicht für harmoniesüchtige Menschen gedacht. In einen Dialog zu gehen kann "gefährlich" sein, weil es uns verändern und wandeln kann.



Was Dialog ist

1.
Wer in Dialog geht, riskiert, dass sich sein Standpunkt verändert. Echter Dialog findet nur in einer "Auseinandersetzung" statt, in der "Standpunkte" geäußert werden dürfen. Die beteiligten Parteien beziehen "Stellung" und werden lebendig, eventuell Temperamentvoll, und zeigen ihr sogenanntes "wahres Gesicht". Mit anderen Worten, sie werden ehrlich, betroffen und öffnen sich.  Gedanken und Worte sind erlaubt, Handgreiflichkeiten nicht. Das "wahre Gesicht" zeigen nur Menschen, die nicht mehr in Sippenhaft verhaftet sind, und keine Angst davor haben, ihr "Gesicht zu verlieren". Auch sind sie in der Lage, ihr Gegenüber anzunehmen, wenn er oder sie sich in einem unerwarteten Maße äußert. Dialogreife Menschen lassen sich überraschen.

2.
Als erstes gilt es, sich seinen eigenen Standpunkt einzugestehen. Das ist gar nicht so einfach, weil riskiert wird, sich "in die Nesseln zu setzen", wenn man sich ehrlich äußert. Man wird sichtbar. Und alles Sichtbare kann von vielen Seiten aus betrachtet und auch bewertet werden. Was von einer Seite aus gut aussieht, wirkt aus anderer Perspektive eventuell negativ. Daher müssen wir von vornherein um unsere Fehlbarkeit und Verletzlichkeit wissen. Denn wir sind Menschen. Nur dafür offene Menschen können im echten Dialog sein.

3.
Eine gewisse menschliche Reife, die nicht vor Auseinandersetzung zurück- schreckt, ist daher notwendig. Auch geht es nicht darum, einen Schuldigen zu finden und dann Strafmaßnahmen auszuarbeiten. Grundsätzlich gilt: im echten Dialog verändert sich jede daran teilnehmende Partei. Alle Seiten färben voneinander ab und hinterlassen einen "Eindruck", auch wenn dieser noch nicht sofort sichtbar ist.

4.
Nur, wer einen inneren Abstand zu sich selber herstellen kann, und sich sowie sein Anliegen nicht zu ernst nimmt, kann gleichberechtigter Partner in einem Dialog sein. Dazu muss die Instanz des Inneren Beobachters im Menschen erwacht sein. Dieser Innere Beobachter ist es dann auch, der offen für einen Perspektivenwechsel ist. Der Innere Beobachter, oder auch das "Gewahrsein des Gewahrseins" kann durch spezielle Meditative Übungen und Einkehr kultiviert werden.

 5.
Was die Menschheit seit Jahrtausenden bis heute vielfach in Religion, Politik und Wirtschaft erlebt, sind nicht Ergebnisse dialogischer Prozesse. Meistens wurden und werden Menschen von den herrschenden Klassen "ent-mündigt", d.h., dass ihre Worte und Äußerungen nicht beachtet wurden und werden. Ausbeutung und Unterdrückung werden immer noch durch undialogische Prozesse fortgesetzt. Wenn wir in den Nachrichten hören, dass gewisse Parteien im Dialog miteinander sind, stehen die Ergebnisse meistens schon fest, oder werden von hinter dem Vorhang gelenkt.

6.
Es ist förderlich zu wissen, dass natürlicherweise den Gedanken die Worte, und den Worten die Taten folgen wollen. Das ist ein natürlicher in uns wohnender Prozess, der meistens unterbunden wird. Schon im Kleinkindalter wird dafür gesorgt, dass Gedanke - Wort - und Tat nicht mehr im Einklang sein dürfen. Danach sind wir manipulierbare Marionetten. Geäußerte Sicht- und Lebensweisen basierend auf Erfahrung und persönlicher Vita haben so kaum noch Chancen realisiert zu werden. Energie geht immer in eine Richtung. Entweder ist sie kreativ oder destruktiv, geht sie nach innen oder nach außen.

7.
Es empfiehlt sich anzuerkennen, dass es für jedes Argument auch ein Gegenargument, für jede Sichtweise eine andere Perspektive gibt. Nur das kann die Basis für Frieden und Freiheit sein. Das verlangt eine flexible und zugleich aufrichtige Haltung von uns. Eine Haltung, die nicht immer den Erwartungen der anderen entspricht.  




Mit Kultivierung von Achtsamkeit und Mitgefühl durch Einkehr in unser Inneres ist eine solide Basis für Dialogfähigkeit gelegt. Insofern wird verständlich, dass es ohne den Weg nach innen zu uns selbst nur schwer möglich ist, sich wirklich Ergebnisoffen auszutauschen, d.h. im Dialog mit anderen zu sein. Es geht nicht nur darum gemeinsame Nenner zu finden, sondern auch Vielfalt und Andersartigkeit zu zulassen. Das beinhaltet auch, Abneigung anzuerkennen, unsere eigene oder die des anderen Menschen.

Im Dialog wagen wir, dass unsere "Vor-Stellung", eine vorgefasste Meinung oder eine Projektion Wandlung erfährt.  Vielleicht kann ein geäußerter Wunsch nicht vom Gegenüber angenommen werden, und wir haben nicht die Möglichkeit, diese Vorstellung oder Wunsch dem anderen aufzuerlegen, weil eine höhere Instanz, egal ob das eigene Gewissen oder das Gesetz darüber wacht. Tun wir das dennoch, üben wir Gewalt aus, auch wenn sie noch so subtil daher kommt. Oft erleben wir, dass wir Vorstellungen vom Leben haben, die sich nicht mit der Realität vereinbaren lassen. Auch hier kann eine dialogische Herangehensweise angebracht sein. 


Die Meinung oder Ansicht zu ändern,
ist manchmal das Einzige, was Du ändern kannst. 



Dialogschulung als eine Art Beziehungsmystik befasst sich durch Gespräch und einfühlsame Begegnung mit dem Zugang:

- zu uns selbst, d.h. zu Körper, Gefühlen und Gedanken,
- zu anderen Mitmenschen, Geschöpfen, der Natur
- zum Namenlosen, Transzendenten und Geheimnishaften.


Dialogische Begegnung und Zwiesprache können vermittelt und erlernt werden. Dabei bedarf es einiger Regeln. Im Dialog und im heilsamen Beisammensein mit dem Gegenüber beachten wir folgende Schritte:

1. Abkehr
2. Einkehr
3. Ruhe, Stille, Sein
4. Hinwendung zum Gegenüber
5. sich rückhaltlos einbringen (ohne Spekulation)
6. Überwinden von Schein und Wirken wollen (ohne Manipulation)
7. gemeinsames Erschließen statt Auferlegen

siehe folgende Graphik, das Dialoghaus:


Unsere Dialog- und Beziehungsfähigkeit führt zu mehr Klarheit. Das ist so, weil beide Parteien lernen einander zu respektieren, anzuhören und sprechen zu lassen. Sie geben einander Raum und Zeit. Ohne diese zwei Faktoren ist kein Zwiegespräch möglich. Mit ihnen kann Wandel und Vielfalt anerkannt werden, und Heilung ist auf verschiedenen Ebenen möglich. 

Wildwasser-Floßfahrt oder Mt. Everest Besteigung sind nichts im Vergleich zum Abenteuer, alltäglich gefordert in bewussten Beziehungen zu sein. Dabei müssen wir immer bei uns selber beginnen. Danach kann ein ansteckender Funke auf Mitwelt und Umgebung überspringen. Jeder Dialog braucht einen geschützten Rahmen. Zwischen Tür und Angel oder im Vorübergehen fruchten keine Zwiegespräche.

Beziehung ist ein Garten,
der bewässert werden will.


Im geschützten Ambiente dürfen sich unsere Schatten zeigen, und die lange gehegte Verneinung des Negativen oder die Suche nach Sündenböcken verliert ihre Kraft. Das vermeintlich Böse oder Primitive darf auch hier angeschaut werden. Im Zwiegespräch dürfen wir "zwiefach", d.h. Licht und Dunkel erkunden und für uns selber und den anderen sichtbar machen. Unser Verdrängen oder gegen etwas sein und dagegen kämpfen stiftet keinen Frieden. In den Medien vernehmen wir den Kampf gegen die Klimaerwärmung, gegen den Krebs, gegen Aids, gegen Andersgläubige. So schüren wir Dialogunfähigkeit.

Vielleicht ist das alle Gemeinsamkeit:
An Begegnungen zu wachsen.
Rainer Maria Rilke



Wer dialogisch unterwegs ist, kämpft weniger und akzeptiert dafür das Auf und Ab des Lebens und entwickelt eine Offenheit den Naturzyklen gegenüber. Abend, Herbst und Winter laden zu Loslassen und Einkehr ein, während der Morgen, Frühling und Sommer Aufbruch und Ausdruck unterstützen. Wir können diese zyklischen Gegebenheiten nutzen oder gegen sie arbeiten. Wer sich einmal auf die speziellen Energien des Tages und der Jahreszeiten eingelassen hat, bestätigt das fast immer. Zwar läßt der Alltag der meisten Menschen nur wenig Raum dafür, aber wir können Zeitnischen einbauen, wenn wir wirklich wollen, um auf eine feinfühlige Art und Weise in Resonanz mit der Natur zu gehen. Vergessen wir nicht, dass unser Körper mit all seinen Bedürfnissen Teil der Natur ist. Auch Körper, Geist und Seele leiden heutzutage sehr oft unter Raubbau und Ausbeutung. Wie im Kleinen so im Großen.


Das Übernatürliche, das "je Größere", die Transzendenz oder einfach Gott, bietet uns auch den Dialog an. Gott will keinen Monolog. Wer das einmal erfahren hat, ist per Du mit diesem Immerschon und Fern-Nahen. Hier betreten wir den Raum der Minne oder Liebesmystik. Zeugen dieser Liebe zwischen Gott und Mensch gibt es in der Menschheitsgeschichte viele. Ihr Leben muss nicht immer spektakulär sein. Sie gehen ihren  Be-Rufungen und Gaben nach, die sehr oft "nur" in der Gewöhnlichkeit des Alltags Ausdruck finden. Sie sagen:

Dein Wille geschieht.
Du weißt was ich brauche.
Solange ich mich Dir
vom Herzen hinwenden kann;
Dir alles sagen und
in Deine Hände legen kann.
Da, wo ich bin,
 
Hier und Jetzt.






Dialogische Ethik und Werte

In allen Lebensbereichen werden Menschen herausgefordert, sich dem Wandel unserer schnelllebigen Zeit zu stellen. Sich ihm zu stellen, heißt nicht, alles für gut zu heißen, was auf einen zukommt. Unser "Stand-Punkt" ist in einer dialogischen Welt gefragt. Seltsamerweise finden echte Wandlungen immer dann statt, wenn Standpunkte eingenommen werden dürfen. Leider ist unsere hierarchische Welt so organisiert, dass vielen Stand-Punkten und Lebensweisen nicht das Recht eingeräumt wird, zu "be-stehen". Festgefahrene Strukturen verhindern Prozesse, die aus Sicht der "Macht-Habenden" Angst machen. So schaukeln sich die Aggressionen zwischen den Parteien hoch, bis verbale und körperliche Gewalt unausweichlich scheinen.

Immer mehr Menschen werden sich bewusst, dass sie sich nicht einigeln oder mit Scheuklappen durchs Leben laufen können. Sehr alte mystische und modernste wissenschaftliche Erkenntnisse erinnern und bestätigen uns, dass wir Menschen als Teil der Schöpfung mit allen anderen Teilen, die uns bekannt sind, wechselseitig verbunden sind. Das alte Model der Überheblichkeit gegenüber dem Rest der Welt verliert langsam, oder manchmal auch sehr rasant, an Überzeugungskraft. Viele Zeitgenossen suchen nach neuen Wegen der Kommunikation, des Wirtschaftens und der Lebensgestaltung. Dabei spielen unsere Werte eine wichtige Rolle.

Welche Werte helfen ein friedliches Miteinander zu führen?
Welche Werte helfen uns, eine nachhaltigere Ethik und Haltung zu kreieren?


Das Wort WERT steht in Verbindung mit dem Wort WÜRDE. Viele unserer Werte basieren auf dem Fundament spiritueller Einsichten. (Einige davon haben einen sehr "fundamentalistischen" und wertlosen Beigeschmack und führen zu Negativität, Verderben und Tod) Die wertvollen Werte dagegen verhelfen dem Menschen sich als Individuum zu entwickeln. Nur echte "Unteilbare" (Individuen) fördern paradoxerweise eher dialogisches Denken und Handeln. 

Dialogisch ausgerichtete Werte sind gleichbleibende Konstanten in einer sich ständig verändernden Welt. Sie können sich wandeln, sind aber trend- und modenresistent. Tritt z.B. die Achtung der Grundwerte außer Kraft, enstehen Chaos, Stillstand oder Tod. Werden alle Grundwerte beachtet, können kreative und angstfreie Räume entstehen. 






Die Wertekette

Die nächste Graphik zeigt auf, dass es, wenn wir von Werten reden, nicht nur um Werte schaffen (Wirtschaften) und Werte schöpfen (Wertschöpfung) geht.

Zuerst suchen und finden wir Werte. 




I  Werte finden

Die Werte, die wir leben wollen, müssen mit unserem ursprünglichen Wesensgrund übereinstimmen. Dieser kann durch innere Schau und gezielte Übungen erschlossen und in Beziehungen bestätigt werden. In dieser Phase der Wertfindung erhält jede Wertekette ihr stabiles Fundament.


II   Werte schaffen

Werte werden bewusst geschaffen (erwirtschaftet) und kultiviert. Ob das was geschaffen wird wirklich wahr, gut oder nützlich für den Menschen und die Schöpfung ist, hängt von vielen Faktoren ab.


III  Werte schätzen

Das was geschaffen wurde, wird verwendet oder gebraucht. Es spricht sich herum, wenn Leistung oder Produkt gut sind, und ihr Wert wird erkannt. Es gibt auch, so zeigt es die Geschichte, Leistungen und Produkte, die ihrer Zeit voraus waren, und erst später anerkannt werden.
Leider werden Wertfindung und Wertschätzung gerne übergangen, um schnellen Profit zu machen. Das entspricht keiner Wertschöpfung sondern einer Wertschröpfung. Gute Dinge brauchen ihre Zeit.


IV  Werte schöpfen

Wertschöpfung ist das Ergebnis einer funktionierenden Wertekette und bereitet einen neuen Kreislauf von Kreativität vor. War von Beginn an Tiefgang im Werteprozess, wird sich das Gefäß füllen ohne diesen Prozess zu schaden. Es kann dann ganz natürlich ohne Benachteiligung anderer abgeschöpft werden, was übrig ist. 


Werte können in einem dialogischen Prozess mit anderen hinterfragt und erschlossen werden. Dabei ist es gut von Innen nach Außen zu arbeiten. Von einem selbst gefundene oder mitgetragene Werte sind wie ein guter Kraftstoff, der uns weit bringt und Motor sowie Straße dabei schonend behandelt. 





Mein Freund, der Redestock

1984, zu Beginn meines mehrjährigen Aufenthalts in Glastonbury/England erlebte ich eine "Einweihung" in den Gebrauch des Talking Stick, zu deutsch Redestock. Ich nahm dort und an einigen anderen Orten Südwestenglands an den Earth Mysterys Gatherings teil. Palden Jenkins hatte sie ins Leben gerufen. Es waren oft über 100 Menschen während einer Woche in der Natur versammelt. Alle waren an Erdheilung und an einem besseren Umgang untereinander interessiert, und suchten unter anderem nach neuen und alten Künsten der Kommunikation. Während alle mehrmals am Tag zusammen im Kreis saßen, ging der Redestock durch alle Hände von Mensch zu Mensch. Jeder und Jede durfte sich einbringen. Beschwerden, Ideen, Bekenntnisse, Lob, Dank und alles was sich zeigen wollte, durfte in der Gemeinschaft geäußert werden. Wer sich nicht äußern wollte, tat das im Bewußtsein, dass eine Nichtäußerung auch eine Äußerung ist. Da ging es manchmal heiß her, und "the shit was hitting the fan", wie die Australier sagen würden. Seitdem nutze ich den Redestock mit seiner basisdemokratischen Kraft in meinen Seminaren und anderen gemeinschaftlichen Angelegenheiten. 

Als ich 1991 begann, mich mit meiner Frau in Hamburg nieder zu lassen, lernten wir Manitonquat "Medicine Story" kennen. Er teilte sein indianisches Wissen während zweier Seminare in dem kleinen Meditationszentrum mit, in dem ich mit einem Bekannten die Leitung übernommen hatte. Meine Aufgabe war es, Manitonquats Seminare simultan zu übersetzen, damit ihn alle gut verstehen konnten. Auch er ließ den Redestock kreisen, so dass sich jeder in die Seminare einbringen, und sich ausdrücken konnte. Ich bin ihm und oben erwähnten Palden sehr dankbar für ihre Einweihung und Vertiefungen im Umgang mit dem Redestock.

Inzwischen gibt es Redebälle, Redesteine, Redefedern, Stofftiere und alle möglichen anderen Dinge, die in Seminaren ihre Runden drehen, um den Seminarprozess zu unterstützen. Ich selber benutze am liebsten Stöcke, die ich in der Natur gefunden habe. Einer von ihnen ist buchstäblich schon durch tausend Hände gewandert. Meine Seminare und Schulungen sollen in einem raumgebenden und basisdemokratischen Ambiente stattfinden. Der Redestock liegt daher immer an meiner Seite und wartet darauf seine Kreise, auch die Herz-Geist Kreise, zu ziehen. 

Teilen ist Heilen


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nach Manfred de Vries

Sich selbst & Einander begreifen und respektieren lernen.

Nur wenn wir nicht in allem übereinstimmen,
und geteilter Ansicht bleiben dürfen,
können unsere Herzen sprechen lernen.







Was Dialog nicht ist

Dialog ist nicht für harmoniesüchtige Menschen gedacht. In einen Dialog zu gehen kann "gefährlich" sein, weil es uns verändern und wandeln kann.



Was Dialog ist

1.
Wer in Dialog geht, riskiert, dass sich sein Standpunkt verändert. Echter Dialog findet nur in einer "Auseinandersetzung" statt, in der "Standpunkte" geäußert werden dürfen. Die beteiligten Parteien beziehen "Stellung" und werden lebendig, eventuell Temperamentvoll, und zeigen ihr sogenanntes "wahres Gesicht". Mit anderen Worten, sie werden ehrlich, betroffen und öffnen sich.  Gedanken und Worte sind erlaubt, Handgreiflichkeiten nicht. Das "wahre Gesicht" zeigen nur Menschen, die nicht mehr in Sippenhaft verhaftet sind, und keine Angst davor haben, ihr "Gesicht zu verlieren". Auch sind sie in der Lage, ihr Gegenüber anzunehmen, wenn er oder sie sich in einem unerwarteten Maße äußert. Dialogreife Menschen lassen sich überraschen.

2.
Als erstes gilt es, sich seinen eigenen Standpunkt einzugestehen. Das ist gar nicht so einfach, weil riskiert wird, sich "in die Nesseln zu setzen", wenn man sich ehrlich äußert. Man wird sichtbar. Und alles Sichtbare kann von vielen Seiten aus betrachtet und auch bewertet werden. Was von einer Seite aus gut aussieht, wirkt aus anderer Perspektive eventuell negativ. Daher müssen wir von vornherein um unsere Fehlbarkeit und Verletzlichkeit wissen. Denn wir sind Menschen. Nur dafür offene Menschen können im echten Dialog sein.

3.
Eine gewisse menschliche Reife, die nicht vor Auseinandersetzung zurück- schreckt, ist daher notwendig. Auch geht es nicht darum, einen Schuldigen zu finden und dann Strafmaßnahmen auszuarbeiten. Grundsätzlich gilt: im echten Dialog verändert sich jede daran teilnehmende Partei. Alle Seiten färben voneinander ab und hinterlassen einen "Eindruck", auch wenn dieser noch nicht sofort sichtbar ist.

4.
Nur, wer einen inneren Abstand zu sich selber herstellen kann, und sich sowie sein Anliegen nicht zu ernst nimmt, kann gleichberechtigter Partner in einem Dialog sein. Dazu muss die Instanz des Inneren Beobachters im Menschen erwacht sein. Dieser Innere Beobachter ist es dann auch, der offen für einen Perspektivenwechsel ist. Der Innere Beobachter, oder auch das "Gewahrsein des Gewahrseins" kann durch spezielle Meditative Übungen und Einkehr kultiviert werden.

 5.
Was die Menschheit seit Jahrtausenden bis heute vielfach in Religion, Politik und Wirtschaft erlebt, sind nicht Ergebnisse dialogischer Prozesse. Meistens wurden und werden Menschen von den herrschenden Klassen "ent-mündigt", d.h., dass ihre Worte und Äußerungen nicht beachtet wurden und werden. Ausbeutung und Unterdrückung werden immer noch durch undialogische Prozesse fortgesetzt. Wenn wir in den Nachrichten hören, dass gewisse Parteien im Dialog miteinander sind, stehen die Ergebnisse meistens schon fest, oder werden von hinter dem Vorhang gelenkt.

6.
Es ist förderlich zu wissen, dass natürlicherweise den Gedanken die Worte, und den Worten die Taten folgen wollen. Das ist ein natürlicher in uns wohnender Prozess, der meistens unterbunden wird. Schon im Kleinkindalter wird dafür gesorgt, dass Gedanke - Wort - und Tat nicht mehr im Einklang sein dürfen. Danach sind wir manipulierbare Marionetten. Geäußerte Sicht- und Lebensweisen basierend auf Erfahrung und persönlicher Vita haben so kaum noch Chancen realisiert zu werden. Energie geht immer in eine Richtung. Entweder ist sie kreativ oder destruktiv, geht sie nach innen oder nach außen.

7.
Es empfiehlt sich anzuerkennen, dass es für jedes Argument auch ein Gegenargument, für jede Sichtweise eine andere Perspektive gibt. Nur das kann die Basis für Frieden und Freiheit sein. Das verlangt eine flexible und zugleich aufrichtige Haltung von uns. Eine Haltung, die nicht immer den Erwartungen der anderen entspricht.  




Mit Kultivierung von Achtsamkeit und Mitgefühl durch Einkehr in unser Inneres ist eine solide Basis für Dialogfähigkeit gelegt. Insofern wird verständlich, dass es ohne den Weg nach innen zu uns selbst nur schwer möglich ist, sich wirklich Ergebnisoffen auszutauschen, d.h. im Dialog mit anderen zu sein. Es geht nicht nur darum gemeinsame Nenner zu finden, sondern auch Vielfalt und Andersartigkeit zu zulassen. Das beinhaltet auch, Abneigung anzuerkennen, unsere eigene oder die des anderen Menschen.

Im Dialog wagen wir, dass unsere "Vor-Stellung", eine vorgefasste Meinung oder eine Projektion Wandlung erfährt.  Vielleicht kann ein geäußerter Wunsch nicht vom Gegenüber angenommen werden, und wir haben nicht die Möglichkeit, diese Vorstellung oder Wunsch dem anderen aufzuerlegen, weil eine höhere Instanz, egal ob das eigene Gewissen oder das Gesetz darüber wacht. Tun wir das dennoch, üben wir Gewalt aus, auch wenn sie noch so subtil daher kommt. Oft erleben wir, dass wir Vorstellungen vom Leben haben, die sich nicht mit der Realität vereinbaren lassen. Auch hier kann eine dialogische Herangehensweise angebracht sein. 


Die Meinung oder Ansicht zu ändern,
ist manchmal das Einzige, was Du ändern kannst. 



Dialogschulung als eine Art Beziehungsmystik befasst sich durch Gespräch und einfühlsame Begegnung mit dem Zugang:

- zu uns selbst, d.h. zu Körper, Gefühlen und Gedanken,
- zu anderen Mitmenschen, Geschöpfen, der Natur
- zum Namenlosen, Transzendenten und Geheimnishaften.


Dialogische Begegnung und Zwiesprache können vermittelt und erlernt werden. Dabei bedarf es einiger Regeln. Im Dialog und im heilsamen Beisammensein mit dem Gegenüber beachten wir folgende Schritte:

1. Abkehr
2. Einkehr
3. Ruhe, Stille, Sein
4. Hinwendung zum Gegenüber
5. sich rückhaltlos einbringen (ohne Spekulation)
6. Überwinden von Schein und Wirken wollen (ohne Manipulation)
7. gemeinsames Erschließen statt Auferlegen

siehe folgende Graphik, das Dialoghaus:


Unsere Dialog- und Beziehungsfähigkeit führt zu mehr Klarheit. Das ist so, weil beide Parteien lernen einander zu respektieren, anzuhören und sprechen zu lassen. Sie geben einander Raum und Zeit. Ohne diese zwei Faktoren ist kein Zwiegespräch möglich. Mit ihnen kann Wandel und Vielfalt anerkannt werden, und Heilung ist auf verschiedenen Ebenen möglich. 

Wildwasser-Floßfahrt oder Mt. Everest Besteigung sind nichts im Vergleich zum Abenteuer, alltäglich gefordert in bewussten Beziehungen zu sein. Dabei müssen wir immer bei uns selber beginnen. Danach kann ein ansteckender Funke auf Mitwelt und Umgebung überspringen. Jeder Dialog braucht einen geschützten Rahmen. Zwischen Tür und Angel oder im Vorübergehen fruchten keine Zwiegespräche.

Beziehung ist ein Garten,
der bewässert werden will.


Im geschützten Ambiente dürfen sich unsere Schatten zeigen, und die lange gehegte Verneinung des Negativen oder die Suche nach Sündenböcken verliert ihre Kraft. Das vermeintlich Böse oder Primitive darf auch hier angeschaut werden. Im Zwiegespräch dürfen wir "zwiefach", d.h. Licht und Dunkel erkunden und für uns selber und den anderen sichtbar machen. Unser Verdrängen oder gegen etwas sein und dagegen kämpfen stiftet keinen Frieden. In den Medien vernehmen wir den Kampf gegen die Klimaerwärmung, gegen den Krebs, gegen Aids, gegen Andersgläubige. So schüren wir Dialogunfähigkeit.

Vielleicht ist das alle Gemeinsamkeit:
An Begegnungen zu wachsen.
Rainer Maria Rilke



Wer dialogisch unterwegs ist, kämpft weniger und akzeptiert dafür das Auf und Ab des Lebens und entwickelt eine Offenheit den Naturzyklen gegenüber. Abend, Herbst und Winter laden zu Loslassen und Einkehr ein, während der Morgen, Frühling und Sommer Aufbruch und Ausdruck unterstützen. Wir können diese zyklischen Gegebenheiten nutzen oder gegen sie arbeiten. Wer sich einmal auf die speziellen Energien des Tages und der Jahreszeiten eingelassen hat, bestätigt das fast immer. Zwar läßt der Alltag der meisten Menschen nur wenig Raum dafür, aber wir können Zeitnischen einbauen, wenn wir wirklich wollen, um auf eine feinfühlige Art und Weise in Resonanz mit der Natur zu gehen. Vergessen wir nicht, dass unser Körper mit all seinen Bedürfnissen Teil der Natur ist. Auch Körper, Geist und Seele leiden heutzutage sehr oft unter Raubbau und Ausbeutung. Wie im Kleinen so im Großen.


Das Übernatürliche, das "je Größere", die Transzendenz oder einfach Gott, bietet uns auch den Dialog an. Gott will keinen Monolog. Wer das einmal erfahren hat, ist per Du mit diesem Immerschon und Fern-Nahen. Hier betreten wir den Raum der Minne oder Liebesmystik. Zeugen dieser Liebe zwischen Gott und Mensch gibt es in der Menschheitsgeschichte viele. Ihr Leben muss nicht immer spektakulär sein. Sie gehen ihren  Be-Rufungen und Gaben nach, die sehr oft "nur" in der Gewöhnlichkeit des Alltags Ausdruck finden. Sie sagen:

Dein Wille geschieht.
Du weißt was ich brauche.
Solange ich mich Dir
vom Herzen hinwenden kann;
Dir alles sagen und
in Deine Hände legen kann.
Da, wo ich bin,
 
Hier und Jetzt.






Dialogische Ethik und Werte

In allen Lebensbereichen werden Menschen herausgefordert, sich dem Wandel unserer schnelllebigen Zeit zu stellen. Sich ihm zu stellen, heißt nicht, alles für gut zu heißen, was auf einen zukommt. Unser "Stand-Punkt" ist in einer dialogischen Welt gefragt. Seltsamerweise finden echte Wandlungen immer dann statt, wenn Standpunkte eingenommen werden dürfen. Leider ist unsere hierarchische Welt so organisiert, dass vielen Stand-Punkten und Lebensweisen nicht das Recht eingeräumt wird, zu "be-stehen". Festgefahrene Strukturen verhindern Prozesse, die aus Sicht der "Macht-Habenden" Angst machen. So schaukeln sich die Aggressionen zwischen den Parteien hoch, bis verbale und körperliche Gewalt unausweichlich scheinen.

Immer mehr Menschen werden sich bewusst, dass sie sich nicht einigeln oder mit Scheuklappen durchs Leben laufen können. Sehr alte mystische und modernste wissenschaftliche Erkenntnisse erinnern und bestätigen uns, dass wir Menschen als Teil der Schöpfung mit allen anderen Teilen, die uns bekannt sind, wechselseitig verbunden sind. Das alte Model der Überheblichkeit gegenüber dem Rest der Welt verliert langsam, oder manchmal auch sehr rasant, an Überzeugungskraft. Viele Zeitgenossen suchen nach neuen Wegen der Kommunikation, des Wirtschaftens und der Lebensgestaltung. Dabei spielen unsere Werte eine wichtige Rolle.

Welche Werte helfen ein friedliches Miteinander zu führen?
Welche Werte helfen uns, eine nachhaltigere Ethik und Haltung zu kreieren?


Das Wort WERT steht in Verbindung mit dem Wort WÜRDE. Viele unserer Werte basieren auf dem Fundament spiritueller Einsichten. (Einige davon haben einen sehr "fundamentalistischen" und wertlosen Beigeschmack und führen zu Negativität, Verderben und Tod) Die wertvollen Werte dagegen verhelfen dem Menschen sich als Individuum zu entwickeln. Nur echte "Unteilbare" (Individuen) fördern paradoxerweise eher dialogisches Denken und Handeln. 

Dialogisch ausgerichtete Werte sind gleichbleibende Konstanten in einer sich ständig verändernden Welt. Sie können sich wandeln, sind aber trend- und modenresistent. Tritt z.B. die Achtung der Grundwerte außer Kraft, enstehen Chaos, Stillstand oder Tod. Werden alle Grundwerte beachtet, können kreative und angstfreie Räume entstehen. 






Die Wertekette

Die nächste Graphik zeigt auf, dass es, wenn wir von Werten reden, nicht nur um Werte schaffen (Wirtschaften) und Werte schöpfen (Wertschöpfung) geht.

Zuerst suchen und finden wir Werte. 




I  Werte finden

Die Werte, die wir leben wollen, müssen mit unserem ursprünglichen Wesensgrund übereinstimmen. Dieser kann durch innere Schau und gezielte Übungen erschlossen und in Beziehungen bestätigt werden. In dieser Phase der Wertfindung erhält jede Wertekette ihr stabiles Fundament.


II   Werte schaffen

Werte werden bewusst geschaffen (erwirtschaftet) und kultiviert. Ob das was geschaffen wird wirklich wahr, gut oder nützlich für den Menschen und die Schöpfung ist, hängt von vielen Faktoren ab.


III  Werte schätzen

Das was geschaffen wurde, wird verwendet oder gebraucht. Es spricht sich herum, wenn Leistung oder Produkt gut sind, und ihr Wert wird erkannt. Es gibt auch, so zeigt es die Geschichte, Leistungen und Produkte, die ihrer Zeit voraus waren, und erst später anerkannt werden.
Leider werden Wertfindung und Wertschätzung gerne übergangen, um schnellen Profit zu machen. Das entspricht keiner Wertschöpfung sondern einer Wertschröpfung. Gute Dinge brauchen ihre Zeit.


IV  Werte schöpfen

Wertschöpfung ist das Ergebnis einer funktionierenden Wertekette und bereitet einen neuen Kreislauf von Kreativität vor. War von Beginn an Tiefgang im Werteprozess, wird sich das Gefäß füllen ohne diesen Prozess zu schaden. Es kann dann ganz natürlich ohne Benachteiligung anderer abgeschöpft werden, was übrig ist. 


Werte können in einem dialogischen Prozess mit anderen hinterfragt und erschlossen werden. Dabei ist es gut von Innen nach Außen zu arbeiten. Von einem selbst gefundene oder mitgetragene Werte sind wie ein guter Kraftstoff, der uns weit bringt und Motor sowie Straße dabei schonend behandelt. 





Mein Freund, der Redestock

1984, zu Beginn meines mehrjährigen Aufenthalts in Glastonbury/England erlebte ich eine "Einweihung" in den Gebrauch des Talking Stick, zu deutsch Redestock. Ich nahm dort und an einigen anderen Orten Südwestenglands an den Earth Mysterys Gatherings teil. Palden Jenkins hatte sie ins Leben gerufen. Es waren oft über 100 Menschen während einer Woche in der Natur versammelt. Alle waren an Erdheilung und an einem besseren Umgang untereinander interessiert, und suchten unter anderem nach neuen und alten Künsten der Kommunikation. Während alle mehrmals am Tag zusammen im Kreis saßen, ging der Redestock durch alle Hände von Mensch zu Mensch. Jeder und Jede durfte sich einbringen. Beschwerden, Ideen, Bekenntnisse, Lob, Dank und alles was sich zeigen wollte, durfte in der Gemeinschaft geäußert werden. Wer sich nicht äußern wollte, tat das im Bewußtsein, dass eine Nichtäußerung auch eine Äußerung ist. Da ging es manchmal heiß her, und "the shit was hitting the fan", wie die Australier sagen würden. Seitdem nutze ich den Redestock mit seiner basisdemokratischen Kraft in meinen Seminaren und anderen gemeinschaftlichen Angelegenheiten. 

Als ich 1991 begann, mich mit meiner Frau in Hamburg nieder zu lassen, lernten wir Manitonquat "Medicine Story" kennen. Er teilte sein indianisches Wissen während zweier Seminare in dem kleinen Meditationszentrum mit, in dem ich mit einem Bekannten die Leitung übernommen hatte. Meine Aufgabe war es, Manitonquats Seminare simultan zu übersetzen, damit ihn alle gut verstehen konnten. Auch er ließ den Redestock kreisen, so dass sich jeder in die Seminare einbringen, und sich ausdrücken konnte. Ich bin ihm und oben erwähnten Palden sehr dankbar für ihre Einweihung und Vertiefungen im Umgang mit dem Redestock.

Inzwischen gibt es Redebälle, Redesteine, Redefedern, Stofftiere und alle möglichen anderen Dinge, die in Seminaren ihre Runden drehen, um den Seminarprozess zu unterstützen. Ich selber benutze am liebsten Stöcke, die ich in der Natur gefunden habe. Einer von ihnen ist buchstäblich schon durch tausend Hände gewandert. Meine Seminare und Schulungen sollen in einem raumgebenden und basisdemokratischen Ambiente stattfinden. Der Redestock liegt daher immer an meiner Seite und wartet darauf seine Kreise, auch die Herz-Geist Kreise, zu ziehen. 

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